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Die nackte Angst
Frank Seidel in der Galerie  Falkenberg in Hannover

Von Michael Wolfson
Hannoversche Allgemeinen Zeitung vom 22.Mai 2007





Der Berliner Künstler Frank Seidel vertritt eine expressive, muskulöse Malerei und Skulptur, in der die
menschliche Figur im Mittelpunkt steht. Verletzlich und verwundbar ist sie, vernarbt, verzerrt und verbildet.
Fahl und grau oder giftig gelb ist die Haut, die der Zersetzung schon bei lebendigem Leibe ausgeliefert zu
sein scheint. Damit steht der 1959 Geborene in einer Tradition, die in den Aufbruch einer heftigen "wilden"
Kunst während der letzten Jahre der DDR mündete, wo Seidel Mitte der achtziger Jahre hervorgetreten
ist: Munch und Dix, Bacon und Baselitz. Kahlo und Giacometti haben seine Arbeiten, die nackte Angst
und stille Wehklagen verkörpern, beeinflusst. Mit der Intensität des Malerischen verwendet, Seidel Körper
als Gegenstand und Symbol. schaut gleichzeitig auf und in den Menschen, um eine elementare Existenz-
ialität zu gestalten. Mit seiner spannungsbetonten Verknappung des Körper-lichen sucht Seidel nach neu-
en Ausdrucksformen für die im Bildraum verlorene Figur. Großformatige Gemälde der vergangenen Jahre
so wie kleinere Bronzefiguren bilden den Schwerpunkt von Seidls neuer Ausstellung in der Lindener Pro-
duzentengalerie Falkenberg. Daneben gibt es eine faszinierende Gruppe von Glasarbeiten. Es handelt
sich um Skulpturen, die aus gewöhnlichem Fensterglas hergestellt wurden und in einem schillernden tür-
kisfarbenen Ton strahlen. Bearbeitet mit Gussformen bei etwa 800 bis 880 Grad. entstehen splittrige, kan-
tige Gebilde. Roh und ausdrucksstark, reduzierter und abstrahierter als die Malereien - doch sie sind
ebenfalls beklemmend und herausfordernd.
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